Neunburg vorm Wald wird im bayerischen Projekt „FrauenOrte“
als Wirkungsort Karolina Gerhardingers sichtbar. Hier begann 1833 die Gemeinschaft der Armen Schulschwestern – und mit ihr eine Bildungsidee, die weit über Bayern hinauswirkte.
Von Neunburg in die Welt: Neunburg vorm Wald wird FrauenOrt
Neunburg vorm Wald wird im landesweiten Projekt „FrauenOrte Bayern“ als Wirkungsort von Karolina Gerhardinger gewürdigt. Das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales hat der Stadt die offizielle FrauenOrte-Plakette übersandt. Sie erinnert an eine Frau, die mit Mut, Beharrlichkeit und pädagogischem Weitblick neue Bildungswege für Mädchen eröffnete – und in Neunburg den Grundstein für die Kongregation der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau legte.
Ein Ort des Anfangs
Am 24. Oktober 1833 begann Karolina Gerhardinger gemeinsam mit zwei Gefährtinnen in Neunburg vorm Wald das gemeinsame religiöse Leben. Dieser Tag gilt als Beginn der Kongregation. Mit der jungen Gemeinschaft waren eine Schule und die Ausbildung von Lehrerinnen verbunden. Neunburg wurde damit zu einem Ausgangspunkt für eine Bewegung, die Bildung, Glauben und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verband.
Rund zehn Jahre blieb Neunburg das Mutterhaus der Schulschwestern. 1843 wurde es nach München in das Angerkloster verlegt. Die besondere Bedeutung Neunburgs blieb jedoch bestehen: Hier nahm das Werk Gestalt an, das sich später über Bayern, Europa und Nordamerika hinaus ausbreitete.
Bildung als Weg zu Selbstständigkeit
Karolina Gerhardinger verstand Bildung als Schlüssel zu einem selbstbestimmteren Leben. Besonders Mädchen aus einfachen Verhältnissen sollten nicht nur lesen, schreiben und rechnen lernen, sondern auch praktische Kenntnisse erwerben, die ihnen eine eigene Existenz ermöglichten. Ebenso wichtig war ihr eine solide Ausbildung von Lehrerinnen. Damit setzte sie zu Beginn des 19. Jahrhunderts Maßstäbe, die weit über den kirchlichen Raum hinauswirkten.
Starke Frauen werden sichtbar
Das Projekt „FrauenOrte Bayern“ wurde 2025 vom Bayerischen Sozialministerium ins Leben gerufen. Ein wissenschaftlicher Beirat wählte 140 Frauen aus, deren Lebenswege mit Orten in Bayern verbunden sind. Ihre Geschichten reichen vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Das Projekt macht sichtbar, wie Frauen Verantwortung übernommen, Grenzen überwunden und gesellschaftliche Veränderungen angestoßen haben.
Die Plakette in Neunburg vorm Wald trägt neben einem Kurzporträt auch Brailleschrift und einen QR-Code. Dieser führt zum ausführlichen Online-Porträt „Karolina Gerhardinger: Die Unerschütterliche“ auf der Website „Bayerns Frauen – jede anders stark“.
Eine besondere Freude für uns Schulschwestern
Für uns Arme Schulschwestern ist diese Würdigung eine besondere Freude. Neunburg vorm Wald steht am Anfang unserer Geschichte. Zugleich weist der FrauenOrt über die Vergangenheit hinaus: Karolina Gerhardingers Überzeugung, dass Bildung Menschen stärkt und Gesellschaft verändert, bleibt ein Auftrag für die Gegenwart.
Weiterführender Link: Karolina Gerhardinger: Die Unerschütterliche
Hinterlasse einen Kommentar