Wir können uns wahrscheinlich alle noch erinnern an einen Besuch im Zirkus und an die Begegnung mit einem Clown. Jeder Zirkus hatte ihn. Die Akrobaten und Dompteure oder Reiterinnen wurden bestaunt und bewundert, der Clown wurde geliebt. Warum?
Was ließ und lässt immer noch die Kinderherzen höherschlagen, wenn dieser tollpatschige Mann, dem so gar nichts gelingt, in die Arena tritt?
Meist sind seine Ärmel und Hosenbeine zu kurz, oft hat er viel zu große Schlappen an, so dass er über die eigenen Füße stolpert. Es passiert ihm ein Missgeschick nach dem anderen.
Es stört ihn nicht, dass er sich lächerlich macht, denn er fühlt sich immer verstanden. Allerdings nur von denen, die auf alles so unbefangen und neugierig zugehen wie er. Er reißt alle mit in seine große Lebensfreude, in sein Staunen, sein Überwältigtsein von etwas Alltäglichem, so als ob er es zum ersten Mal sähe. So schauen auch Kinder, wenn sie noch nicht verbildet sind.
Warum stellen Kinderkrankenhäuser immer wieder Clowns ein, die zu den todkranken Kindern gehen?
Weil ein Clown ihnen für kurze Zeit die Leichtigkeit des Seins vermitteln kann, die die Seele eines Kindes eigentlich umhüten sollte. Für kurze Zeit ist ihre Welt in Ordnung, weil einer da ist, der über sich selber lachen kann, der sie zum Lachen bringt und dessen rote Knollennase ein Symbol für die Unbeschwertheit und Komik des Lebens ist. Kinder atmen auf in seiner Umgebung. Sie vergessen, was sonst ihren Alltag ausmacht. Was für ein Dienst am kleinen Menschen!
Und. wir Erwachsenen? Haben wir uns diese Seiten des Kindseins bewahrt oder sie wiedergefunden? Hat der Clown uns auch etwas zu sagen?
Da ist einer, der oft hinfällt und immer wieder aufsteht.
Da ist einer, der sich nicht so tierisch ernst nimmt, sondern weiß, dass er nicht perfekt ist.
Da ist einer, der in seinem bunten Gewand alle Farben des Lebens zulässt und sich über nichts Menschliches wundert.
Da ist einer, der – wie im Bild – fragt: „Magst du mich?“ (die uralte Menschheitsfrage) und selber eine Aura von Liebe ausstrahlt. Kommt er deshalb so nahe an die Kinder heran?
Da ist einer, der sich keine Sorgen macht um sich selbst, weil er aus einem Grund-Vertrauen lebt.
Es ist eine Frage, die uns begleiten kann: Warum malen moderne Künstler wie Sieger Köder Jesus gern als Clown?
Sr. Pietra Hagenberger